Winterfreuden und Wasserschaden

Lang, lang ist er her, der letzte Eintrag und ich weiß gar nicht, wo und womit ich anfangen soll. Am besten mit den neuesten Ereignissen, an die kann ich mich wenigstens noch erinnern. Es sind also Ferien momentan. Diese Winterferienwoche heißt hier „sportlov“ und bedeutet Sportferien. Gefühlt reisen alle Schweden in die Berge zum Skifahren und die, die nicht in die Berge fahren, fahren hier in der Umgebung Ski, Schlittschuhe, Schlitten, Mountainbike oder was auch sonst Kufen oder Räder hat. Tja, wir sind diesbezüglich noch nicht wirklich standesgemäß ausgerüstet und bestaunen bisher lediglich dieses ach so sportliche Völkchen. Mit den Kindern waren wir deshalb Anfang der Woche im nahe gelegenen Sportladen und haben tatsächlich noch zwei Schlittschuhexemplare ergattert. Nun fahren die Beiden eifrig jeden Tag und wir hoffen, dass das Eis auf den Seen noch ein paar Tage standhält. Ansonsten gibt es unten vor der Schule eine extra angelegte Eislauffläche, die sonst eigentlich als Fußballplatz dient. Bereits die Kindergartenkinder verbringen dort mit den Erziehern die Tage und es ist faszinierend, wie geschickt bereits die Kleinsten sind.

Isaberg – nicht nur Eislaufen, auch Skifahren ist angesagt!

In der letzten Woche hatten wir tatsächlich wieder einmal lieben Besuch aus Deutschland. Der letzte Besuch ist inzwischen aus bekannten Gründen schon ein Weilchen her, umso mehr freuten sich alle auf diese Abwechslung. Wettertechnisch hätte es nicht besser sein können und so haben wir viel Zeit draußen verbracht. Unter anderem waren wir auf dem Isaberg, wo die Skipisten endlich öffnen konnten und so stand unserer Besucherin einem Skitag nichts im Wege. Zurück in Deutschland sitzt sie nun nach überstandenem (und negativen) Test (trotzdem) in Quarantäne und wir hoffen sehr, dass es sich für sie trotz der Umstände gelohnt hat… (danke fuer das Video… 😉 )

Für uns hat in vielerlei Hinsicht ein spannendes Jahr begonnen. Einige „Sachen“ waren abzusehen, andere nicht, aber das ist ja auch das Spannende im Leben. Zu den ganz klar nicht vorhergesehenen Ereignissen gehört z.B. das Dilemma in unserem Ferienhaus. Nachdem wir dort schöne und zugleich fleißige Tage zu Beginn des Jahres verlebt haben und die nahezu letzten Handgriffe erledigt hatten, kam es ein paar Wochen später zur Katastrophe. Ralph und ich waren für ein Wochenende im Haus, um ein paar letzte Handgriffe zu erledigen (und nebenbei für ein bisschen Auszeit zu zweit). Der erste Tag war geschafft und wir gönnten uns ein Abendessen in der Stadt. Als wir eineinhalb Stunden später zurückkamen, sah das Haus ungewöhnlich dunkel aus. Kein Licht brannte, was bereits ein erstes Alarmzeichen darstellte. Beim Aufschließen der Tür zeigte sich dann die Ursache in vollem Ausmaß. Schon im Flur standen wir im Wasser und je weiter wir in Richtung Wohnzimmer kamen, umso schlimmer wurde der Anblick. Wassermassen liefen durch die Decke und zwar an jedem einzelnen Quadratzentimeter. Während Ralph in den Keller stürmte, um das Wasser abzustellen, stand ich wie paralysiert im Flur und konnte nichts denken und fühlen. Dieser Zustand hielt ein ganzes Weilchen an, bevor auch im mich in Bewegung setzen konnte und wir anfingen, das Wasser mit allem, was zur Verfügung stand, aufzunehmen. Keine leichte Aufgabe, wenn es stockdunkel im Haus ist, einigermaßen kalt (weil zu dem Zeitpunkt ca. -15 Grad draußen) und einem das Wasser von oben auf den Kopf läuft. Nach 2,5 Stunden (inzwischen war es 23 Uhr) konnten wir nichts mehr tun und beschlossen schweren Herzens, unser Häuschen allein zurück zu lassen und nach Hause zu fahren. Eigentlich wollten wir gerne die Nacht dort verbringen aber unter den gegebenen Umständen erschien es uns einfach unmöglich. Irgendwann nach Mitternacht kamen wir zu Hause an und haben sofort Kontakt mit der Versicherung aufgenommen. Da eine Ursache für uns zu dem Zeitpunkt nicht ersichtlich war, konnten wir auch nicht unbedingt davon ausgehen, dass die Versicherung zahlungswillig sein würde. Inzwischen wissen wir, dass ein eingefrorenes und geplatztes Rohr Schuld an dem Schaden ist und dass wir mit finanzieller Hilfe durch die Versicherung rechnen können. Besonders tragisch an der ganzen Situation ist, dass wir ein paar Tage nach dem besagten Wochenende einen Maklertermin hätten haben sollen. Wir hatten uns nämlich vor einiger Zeit dazu entschlossen, das Ferienhaus zu verkaufen. Diesen Termin haben wir dann natürlich absagen müssen und nun steht der Verkauf des Hauses erstmal in den Sternen. Ein Gutachter war unterdessen vor Ort und die Trocknung durch eine lokale Firma hat begonnen. Die ganze Angelegenheit wird sich aber ein ganzes Weilchen hinziehen, da die komplette Decke zum Obergeschoss aufgemacht werden muss, die Wände mit Drainageschläuchen ausgestattet werden müssen und naja, dann wird man sehen, ob ein Wiederaufbau möglich ist und wenn ja, über welchen Zeitraum wir da sprechen. Unsere Pläne, hier auf unserem Grundstück etwas Neues aufzuziehen verschieben sich nun erst einmal, werden aber natürlich nicht in Vergessenheit geraten ;-).

Angrillen im Schnee! 1/2
Angrillen im Schnee! 2/2

Wir alle viereinhalb freuen uns nun schon so richtig auf den bevorstehenden Frühling und es ist herrlich, jeden Tag ein bisschen mehr Helligkeit zu erleben. Der Bau von Hochbeeten ist in Kürze geplant, an der Auffahrt wollen wir ein bisschen was verbessern und dann ist da ja noch unser größtes Projekt, das uns ganz sicher eine gehörige Portion Energie abverlangen, uns aber auch sehr, sehr glücklich machen wird 🙂

Mia hat zudem ihr ganz eigenes Projekt zu bestehen in diesem Jahr und den Grundstein dafür hat sie bereits gelegt. Sie ist derzeit in der 9. Klasse und das bedeutet, dass nach diesem Schuljahr für sie die Grundschulzeit hier beendet ist und sie auf ein Gymnasium gehen wird. In Schweden ist es grundsätzlich so, dass jeder Schüler freie Gymnasiumwahl hat, so dass er sich im ganzen Land bewerben kann. Es gibt unterschiedliche Programme (hochschulvorbereitende oder berufsvorbereitende, um es ganz simpel zu beschreiben) und je nach Berufswunsch wählt man eine bestimmte Richtung. Mia tat sich lange Zeit sehr schwer, bedeutet der Schulwechsel zum Beispiel  unter Umständen auch einen Umzug in eine andere Stadt. Das will sie nicht und so kamen genau zwei Gymnasien mit so ziemlich identischen Schwerpunkten in Frage. Am Ende und nach vielen Überlegungen und Gesprächen am Fika- und Abendbrotstisch hat Mia sich nun für das kleinere (und hoffentlich ein Stück weit persönlichere) Gymnasium entschieden. Sie hat sich für ein hochschulvorbereitendes Programm mit dem Namen „Samhällsvetenskap“ (Gesellschaftswissenschaft) entschieden und wird sich mit Sprache, Geschichte und dem Menschen an sich befassen. Kritiker sagen an der Stelle, das ist nix halbes und nix ganzes. Wir sagen, so lange kein fester Berufswunsch besteht (und das ist aus unserer Sicht mit 15 Jahren legitim und bei Mia der Fall), soll sie sich weitestgehend breit aufstellen, um später alle Wege beschreiten zu können. Wir sind gespannt, was es wird und v.a., ob es klappt, denn die Bewerbung allein reicht nicht aus, um angenommen zu werden. Es ist und bleibt also spannend.

In diesem Sinne läute ich den Feierabend für heute ein und lege jetzt die Füße hoch. Ich, und ich spreche ganz sicher auch für den Rest der Familie, schicke an der Stelle herzliche Grüße an alle Leser und möchte euch auch noch einmal ermuntern, den ein oder anderen Kommentar auf unserer Website zu hinterlassen. Wir freuen uns über jede Meldung aus der Heimat oder von woher auch immer 😉

Bis demnächst in diesem Theater…

P.S. Unsere „Winter-Galerie“ haben wir natuerlich auch aktualisiert! Dort gibt es noch mehr Bilder zu entdecken. Viel Spass!!

4 Kommentare

  • Vanessa

    Hallo ihr Lieben,
    die Besucherin kann bestätigen dass sie sich sehr gefreut hat bei euch zu sein und sie hat die Zeit bei und mit euch sehr genossen. Sie freut sich auf ein baldiges Wiedersehen 🙂

  • Sandra Geier

    Vielen Dank für diesen Erfahrungsbericht zu dem Umgang mit einem Feuchteschaden. Interessant, dass dabei das Unternehmen schnell gehandelt hat und Drainagen im Obergeschoss verteilt hat. Ich würde auch immer auf einen Profi zurückgreifen, wenn wir einen Wasserschaden hätten.

    • Ralph

      Danke fuer Deinen Kommentar! Ja, ich denke das A & O ist bei solchen Schäden, es zuegig und professionell trocknen zu lassen. Der Wiederaufbau ist noch eine andere Sache, aber in der Regel hat man als „Amateur“ eher keine Trocknungsgeräte und Messwerkzeuge solcher Grössenordnung zur Hand. Und ja, jedes Haus ist sicherlich auch anders und individuell, das ist ganz klar Sache von Profis und nichts fuer den Heimhandwerker. 😉

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