Vom Warten auf den Frühling und auf… ;-)

Es ist April geworden und das Wetter macht dem Monat hier alle Ehre. Ich habe schon an einem Nachmittag auf der Terrasse gelegen und ich mich gesonnt (zwar in eine Decke eingewickelt aber immerhin), davon sind wir nun aber wieder Meilen entfernt. Da es in Deutschland aber wohl nicht wirklich anders aussieht, wollen wir uns mal nicht beschweren.

Für die Kinder war diese Woche Freizeit angesagt, da die Osterferien anstanden. Richtig viel stand nicht auf dem Programm, immerhin haben wir aber einen Ausflug nach Göteborg geschafft. Dort gibt es einen, wie ich finde, sehr sehenswerten Botanischen Garten, auch wenn die Zeit der blühenden Pflanzen noch nicht so richtig angebrochen ist. Dafür gibt es tolle Aussichtspunkte und viele große Felsformationen in luftigen Höhen, auf denen man herrlich Fika mit selbst gemachten Kanelbullar  (Zimtschnecken) machen kann. Ein anschließender Abstecher in die Innenstadt war zwar eine nette Abwechslung zu unserem sonst eher zurückgezogenen Leben hier, hat uns aber gleichzeitig auf Grund der vielen Menschenmassen gestresst, so dass es bei einem kurzen Intermezzo blieb. Auf dem Rückweg fanden wir eine süße kleine Pizzeria, in der wir es uns richtig gut gehen ließen und mit der Devise „alles ist erlaubt“ einen gelungenen Tagesabschluss fanden.  

Hoch oben ueber der Stadt im Botanischen Garten Göteborg!

Die Wochen davor waren für die Kinder, aber insbesondere auch für Ralph ziemlich anstrengend. Es ist nun inzwischen mehr als ein Jahr her, dass er seine letzte Dienstreise machen konnte und diese Tatsache ist für jemanden, der seit mehr als 20 Jahren gewohnt ist, mehrfach wöchentlich zu fliegen, viel Auto zu fahren und noch viel mehr Menschen auf Messen, bei Meetings und diversen anderen Veranstaltungen zu treffen, eine extreme Umstellung. Das Pendeln zwischen Büro, Küche und Bad beschert ihm täglich ganze 200 Schritte und damit einhergehend einige Unzufriedenheit über diese Situation. Da auch ich momentan quasi dauerhaft zu Hause bin, läuft man sich zwangsläufig sehr viel regelmäßiger über den Weg, also wir das viele Jahre gewohnt waren und damit ist die Herausforderung perfekt. Wir haben inzwischen ein paar Wege entdeckt, die uns (und v.a. Ralph) ein kleines bisschen Ausgleich bringen und dazu gehört u.a., dass wir einmal in der Woche mittags zum Lunchen gehen.

Der Lunch ist hier in Schweden so ziemlich die wichtigste Mahlzeit (neben der Fika) und es wird alles stehen und fallen gelassen, um diese nicht zu verpassen. Jedes Restaurant bietet zwischen Montag und Freitag in der Zeit von 11-14 Uhr Lunch an, manche Lokale haben sogar grundsätzlich nur zu diesen Zeiten auf. Man kann sich im Vorfeld im Internet informieren, was an dem jeweiligen Tag auf der Speisekarte steht, so dass man gezielt losfahren kann. Das Entscheidende beim Lunch ist, dass es zu dem eigentlichen Essen (meistens eine fleischige und eine vegetarische Variante) ein Salatbuffet, Brot, Getränk und Nachtisch inklusive gibt und dass es pro Person um die 100 Kronen (ca. 10Euro) kostet, was im Verhältnis zum Essen gehen am Abend eine eher kostengünstige Möglichkeit des Restaurantbesuches darstellt. Wir waren unterdessen in vier verschiedenen Restaurants bzw. Kantinen (auf fast jedem größeren Betriebsgelände gibt es eine und diese ist ebenso für Nichtmitarbeiter zugänglich) und bisher recht zufrieden. Die andere Variante, sich von der momentanen sehr trostlosen (Arbeits-) Außenwelt abzulenken, besteht für uns darin, verschiedene Haus- und Hofprojekte voranzutreiben. Da wir uns gerne viel und alles auf einmal aufhalsen und uns am Ende eher etwas verzetteln, hängt nun eine Prioritätenliste am Kühlschrank, an der wir uns entlang hangeln. Derzeit arbeiten wir nahezu ausschließlich an unserem Plan, ein wenig mehr eigenes Obst und Gemüse zur Verfügung zu haben.

Ackerbearbeitung mit Hilfsmitteln und „Hauspersonal“! 😉

Drei Hochbeete sind gebaut, 36 Tonnen Erde angeliefert worden, der Grundstückszaun wurde versetzt, ein Teil des Ackers mit einer sehr praktischen maschinellen Neuanschaffung (einer Schlaghacke, die man ans Quad hängt und die das Gras abmäht) bearbeitet und  20 verschiedene Beerenbüsche haben ihren Platz gefunden. Nun müssen noch ein paar Restarbeiten erledigt werden und v.a. die spätere Ernte in den Boden gebracht werden, dann können wir den ersten Haken auf der Prioritätenliste setzen. Wir freuen uns sehr über die bisherigen Ergebnisse, zumal es nichts Schöneres gibt, als zu sehen, was man gemacht hat. Trotzdem hoffe ich, dass es für Ralph bald wieder ein normales Arbeitsleben gibt, auch wenn dann die Projekte etwas länger dauern…

Wie bei Pippi Langstrumpf – ein Suessigkeitenladen in Gränna, der heimlichen Hauptstadt der Zuckerstangen!

Bei den Kindern gibt es insofern gute Neuigkeiten zu berichten, als dass unsere Mia mal wieder ein Hammer-Ergebnis aus der Schule mitgebracht hat und zwar im Fach Schwedisch. Hier fand vor kurzem die sogenannte nationelle Prüfung statt, die sich über zwei Tage erstreckte und die jeder Schüler der 9. Klasse in Schweden an diesen beiden Tagen schreiben musste. Mia hat es geschafft, als eine von zwei Schülern ihrer Klasse ein A, also eine 1 zu bekommen und das, wie gesagt, im Fach Schwedisch!!  Sie hatte dabei genau dieselben Aufgaben und Bewertungen wie alle anderen, was die Sache noch bemerkenswerter macht. In Kürze erfährt sie nun auch, wie und vor allem wo es für sie nach der 9. Klasse weiter geht. Sie erhofft sich einen Platz am Gymnasium in Gnosjö, einer Nachbargemeinde von uns. Die Schule liegt inmitten herrlicher Natur und neben diesem Aspekt ist sie kleiner und hoffentlich ein wenig individueller als das Gymnasium in Gislaved, was in unserer Kommune liegt. Drückt also gerne die Daumen, dass es nach ihren Vorstellungen läuft. Für die bald bevor stehenden Sommerferien hat sie auch bereits feste Pläne. Neben dem Wunsch, endlich mal wieder ein paar Tage bei Freunden und Familie in Deutschland verbringen zu können hat sie sich für einen dreiwöchigen Ferienjob beworben. Wie im letzten Sommer auch bewirbt man sich hier nicht direkt bei Firmen sondern füllt innerhalb eines vorgegebenen Zeitraumes online ein Formular aus mit Wünschen bzw. persönlichen Erfahrungen etc. und bekommt an einem festgelegten Datum Bescheid, ob und wo man etwas ergattert hat. Der Verdienst ist für alle Schüler der gleiche, so dass es diesbezüglich keine Unstimmigkeiten unter den Jugendlichen gibt. Ein weiterer Plan ist, dass Ralph und ich im August mit ihr zusammen einen Fahrschulkurs belegen, der uns befähigt, mit ihr das begleitete Autofahren zu üben. In 4, 5 Stunden werden wir in die Materie eingewiesen und dann darf sie unter unserer Aufsicht Auto fahren. Man ist hier in Schweden nämlich nicht verpflichtet, Fahrstunden über eine Fahrschule zu nehmen, sondern muss lediglich eine theoretische und eine praktische Prüfung ablegen. Ob ich das gut finde, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht und ich bin schon jetzt leicht panisch, wenn ich an die Situation denke, dass sie am Steuer sitzt und ich daneben aber erstens kann man die Verkehrsdichte hier in keinster Weise mit Deutschland vergleichen und zweitens hätte ich 43 Jahre lang ein schönes Leben gehabt… 😉

Unser kleiner Till, der inzwischen mit seinen 13 Jahren größer ist als ich und bei Schuhgröße 47 angelangt ist kann ebenfalls einen, wie wir finden, sehr schönen Erfolg verzeichnen. Als leidenschaftlicher Mountainbike-Fahrer spart er seit einiger Zeit auf ein neues und hochwertigeres Mountainbike hin. Und da die Kohle ja irgendwo herkommen muss hatte er sich Ende letzten Jahres überlegt, in den Briefkästen der umliegenden Höfe Zettel zu verteilen, auf denen er seine Arbeitskraft anbietet. Es hat sich ewig nichts getan und er war schon ein wenig trübsinnig deswegen, als ihn vor kurzem eine Email erreichte. Diese  kam von der Tochter einer älteren alleinstehenden Frau aus der Umgebung, die Hilfe am Haus und im Garten benötigt und sobald das Wetter den Rasen sprießen lässt wird er sich wohl vierzehntägig bei ihr ein paar Taler verdienen können.  Aus unserer Sicht ist es vor allem auch deswegen ein Erfolg, weil er sich selbst gekümmert hat und nach wie vor darf man nicht vergessen, dass es ein noch immer fremdes Land und vor allem eine fremde Sprache ist. Er hat ein Telefonat mit der Tochter allein geführt und vor allem ich weiß, wie schwer es ist, sich in einer anderen Sprache und dann noch am Telefon auszudrücken. Genau das sind die Dinge, die uns als Familie und natürlich den Kindern enormen Auftrieb geben und die so schwer sind, weil man sich jeden Tag auf´s Neue überwinden muss.

Naja, und dann, als letztes, ist da ja noch jemand, der uns in Zukunft vor eine neue und große Herausforderung stellen wird, der sich aber genau deswegen schon sehr in alle unsere 4 Herzen gestohlen hat. Wir hoffen sehr, dass wir ihn euch hier schon sehr bald vorstellen können, also besucht doch weiterhin ab und zu mal unsere Homepage 😉

Für heute viele Grüße von uns, lasst es euch gut gehen!

P.S. Aus leckerem Anlass wollen wir gerne noch mit Euch Till´s Favoritrezept fuer eine tolle Fika Beilage teilen!

Till´s Fika – Highlight:

Chokladbollar (Menge reicht je nach Größe der Bälle für etwa 12 Stück)

90g Zucker

½ EL Vanillinzucker

2 – 3 EL Kakao

100g zimmerwarme Butter

2 EL kalter, starker Kaffee

Kokosflocken oder Perlzucker

Mische alle trockenen Zutaten miteinander. Gib die gestückelte Butter dazu und vermische alles mit den Händen zu einem krümeligen Teig. Füge anschließend den Kaffee hinzu und knete den Teig erneut. Forme nun kleine Bälle und wende diese in einer Schüssel mit Kokosflocken oder Perlzucker. Stelle die fertigen Bälle mindestens eine Stunde in den Kühlschrank, bevor du sie isst. Guten Appetit 😉

Lecker!

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