Elchjagd nach Claudis Art

Wir sind nun schon ganze 7 Monate in Schweden, kann man das glauben? Am 4.9. hatten die Kinder ihren ersten Schultag und morgen beginnen die Osterferien (påsklov) für die Beiden. Es ist wahnsinnig viel passiert und nun ja, aktuell gibt es für die meisten Menschen auf der Welt nur ein Thema: Corona. Ich möchte mitnichten sagen, dass dies für uns kein Thema ist, denn egal, ob man will oder nicht, man ist ein Teil davon. Und doch ist es für mich und uns ein bedeutend kleineres als für viele andere. Dass das so ist hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen und ich will nur ganz oberflächlich daran kratzen. Zum einen ist es die Größe Schwedens (447 000 qkm, im Vgl. dazu Deutschland mit 360 000 qkm) in Kombination mit der geringen Bevölkerungsdichte (ca. 10Mio., im Vgl. dazu Deutschland mit 82Mio. Einwohnern), zum anderen unsere persönliche Einstellung dazu und eine weitere Rolle spielt die schwedische Regierung, die auf die individuelle Verantwortung des einzelnen Bürgers setzt. All das kommt uns persönlich sehr entgegen und wir sind vor allem jetzt froh und glücklich über unsere Entscheidung, hier zu leben. Vor allem, was es doch für ein unglaublich gutes Timing war (oder Schicksal, Fügung, Zufall, was auch immer)… All das im letzten Jahr und die Chance hätte es für uns nicht gegeben.

Da wir nun aber hier sind will ich mal wieder ein Lebenszeichen von uns da lassen, in der Hoffnung, dass es euch alle bei guter Gesundheit erreicht.  Wir für unseren Teil sind gesund und freuen uns über die wunderschöne Jahreszeit, die sich Frühling nennt. Nachdem wir uns ja lautstark und des Öfteren über das grauenhafte Wetter ausgelassen haben muss ich nun zugeben, dass es in den letzten Wochen einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht hat. Wir hatten blauen Himmel, Sonnenschein und endlich also die Gelegenheit zum draußen Arbeiten. Wir waren so happy darüber, dass wir gleich mehrere Projekte in Angriff genommen und das ein oder andere Mal leicht den Überblick verloren haben. Stand heute sind wir aber ein ganzes Stück weitergekommen. Vor allem haben wir mal wieder die schwedischen Recyclinghöfe getestet und auch nach dem 20. Besuch wurden wir nicht vom selben gejagt sondern meistens sogar noch freundlich empfangen. Man könnte nun meinen, dass wir langsam allen Schrott entsorgt haben müssten, worüber ich nur müde lächeln kann. Prozentual gesehen würde ich sagen, dass 98% noch darauf wartet, zur återvinningscentral zu gelangen.  Egal, es macht Spaß und vor allem sind auch die Kinder mega motiviert, mitzumachen. Mittlerweile sind wir wirklich zu einem eingespielten Einsatzkommando geworden und jeder trägt seinen Teil zum Gelingen der verschiedensten Projekte bei. Ralph hat heute im Schweiße seines Angesichts in der Küche die Arbeitsplatten getauscht und mit Wunschspüle- und Kochfeld versehen, eine Malerfirma war da, um sich die Baustelle Hausfassade anzusehen und jede Menge Pflanzensamen haben den Weg in Töpfe und Beet gefunden, um nur ein paar Beispiele unserer aktuellen Arbeiten aufzuzählen.

Während die Kinder nach wie vor und Gott sei Dank die Schulbank drücken, wurde mein Sprachkurs bis auf Weiteres eingestellt. Das heißt, es findet Distanzunterricht statt, was mir den charmanten Vorteil verschafft, dass ich ziemlich viel Luft habe, um einfach mal drauf los und durch die hiesigen Wälder zu pirschen. Mein großes Ziel war ja, ein Elchgeweih zu finden, welches die Tiere gegen Ende Februar abwerfen. Leider, und das kann ich schon vorwegnehmen, ist diese Suche bisher ergebnislos verlaufen. Aaaaber, heute, auf meiner täglichen Hunderunde habe ich doch tatsächlich das eher seltene Glück gehabt, eine Elchkuh mit ihrem Kalb zu sehen. Es war nur eine kurze Begegnung und auch wenn ich inzwischen schon öfter in den Genuss kommen durfte, diese tollen Tiere live zu sehen, ist es jedes Mal etwas ganz Besonderes. Wenn es morgens nicht mehr ganz so kalt ist werde ich mich mit Thermoskanne, Fernglas und Fotoapparat auf nen Hochsitz begeben und auf die Jagd nach ein paar Fotos gehen, die ich dann hoffentlich mit euch teilen kann. Und wer genau so fasziniert ist von diesen stattlichen Tieren wie ich, dem kann ich zwischen dem 9.4. (7Uhr) und dem 3.5. (Mitternacht) nur empfehlen, sich „den stora älgvandringen“ (die große Elchwanderung) auf www.svt.se anzusehen. Das ist ein livestream, der die jährliche Elchwanderung in Västernorrland zeigt. Man weiß nie genau, wann sie losgeht, im letzten Jahr war es am 20.4. Die Bilder sind traumhaft schön, alleine nur wegen der wunderschönen Natur.

Meinen Sprachkurs, um darauf noch einmal zurückzukommen, nehme ich jedoch trotzdem sehr ernst. Wir bekommen einiges an Aufgaben auf, die wir online einreichen müssen. Nebenher versuche ich mich im Bewerbungen schreiben, was eine große Herausforderung darstellt.  Es fällt schon schwer, geeignete Sätze in der Muttersprache zu formulieren, in einer fremden Sprache ist es ungleich schwerer. Ich sitze manchmal 6 Stunden an einer Bewerbung, rausgekommen ist bisher leider nichts. Eine herbe Enttäuschung musste ich letztens wegstecken, als ich einen Telefontermin mit einem Arbeitsvermittler vom schwedischen Arbeitsamt hatte. Dazu muss ich sagen, dass der Erstkontakt ausschließlich telefonisch stattfindet, was ich grundsätzlich schon erst einmal schwierig finde, da vor allem das Telefonieren in einer fremden Sprache problembehaftet ist. Egal, ich war gut vorbereitet auf das Gespräch, das bis zu 60 min. dauern sollte. Als wir uns dann endlich an der Strippe hatten und die ersten 10min. vorbei waren, in denen es lediglich um formelle Angelegenheiten ging, sagte ich zu der Dame, dass sie bitte langsam und deutlich sprechen möge, da ich keine gebürtige Schwedin sei. Daraufhin fragte sie mich, ob ich wüsste, dass ich einen Dolmetscher beantragen kann. Ich wiederum sagte zu ihr, dass ich das weiß, aber keinen möchte, da ich glaube, dass wir das so hinbekommen, wenn sie denn langsam und deutlich spricht. Lange Rede kurzer Sinn: von da an war das Gespräch für sie beendet und sie bestand auf einem Dolmetscher, obwohl wir bis zu dem Zeitpunkt problemlos auf schwedisch kommuniziert hatten. Möglicher Weise lag es daran, dass es Freitag 15.40Uhr war und sie ihren rechtzeitigen Feierabend schwinden sah aber in dem Moment hat mich das doch echt ziemlich nach unten gezogen. Ich wollte keinen Dolmetscher sondern mich da selbst durchwurschteln. Der nächste Termin ist am kommenden Dienstag (mit Dolmetscher). Ralph sagt, ich soll erst recht schwedisch sprechen… Mal sehen, ich lass das mal auf mich zukommen.

Für heute soll es reichen an Neuigkeiten. Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und dass ihr immer schön optimistisch bleibt!!

Claudia PS: Da Musik bei uns immer eine wichtige Rolle spielt, habe ich heute den schwedischen Eurovision Song Contest Beitrag für euch. Auch und vor allem, weil der sicher nicht stattfindet dieses Jahr, will ich euch „unseren“ Vertreter nicht vorenthalten.

(Hr.Schmidt, ich warte auf deinen Kommentar) … 🙂

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