Vorweihnachtszeit und November Blues

Mal wieder ein paar Sätze von uns hier, die euch alle hoffentlich bei guter Laune und Gesundheit erreichen…!

Inzwischen ist es Ende November und das Wetter zeigt sich seit Wochen von der entsprechenden Seite: grau, feucht und dunkel.

Wir haben uns lange gefragt, warum der Großteil der Schweden seine Häuser und Wohnungen auf eine Art beleuchtet, die mit jeder größeren Landebahn mithalten kann. Nun glauben wir es zu wissen und haben uns dem Trend weitestgehend angeschlossen. Jedes Zimmer verfügt über mindestens fünf Lichtquellen, die bis 10 Uhr vormittags und ab spätestens 15 Uhr nachmittags für Gemütlichkeit und vor allem Durchblick sorgen. Die Strompreise sind hier Gott sei Dank im Vergleich zu Deutschland sehr moderat, so dass man es sich leisten kann.

Auffällig ist in dem Zusammenhang, dass man die meisten Menschen draußen mit Warnwesten sieht. Egal, ob auf dem Fahrrad auf der Landstraße oder zu Fuß im Ort…und zumindest Ralph und ich sind uns einig, dass das keine ganz so doofe Vorgehensweise ist. Die Kinder zieren sich verständlicher Weise ein wenig aber über den Sinn des Ganzen lässt sich definitiv nicht streiten. Die Busfahrer haben vor einigen Wochen auch Reflektoren an die Schulkinder ausgeteilt und ich bin ein absoluter Befürworter davon.

Als ich vorhin mit Ralph eine Runde durch das Walddickicht hinterm Haus gelaufen bin haben wir uns auch mit Warnwesten ausgestattet. Das hatte in erster Linie allerdings weniger mit der Angst vorm Überfahren werden als vielmehr damit zu tun, dass nach wie vor Elchjagd ist und wir uns keine Kugel einfangen wollten 😉

Was ist noch passiert?

1) Unsere Sauna steht und ein Teil (ich) freut sich sehr darüber, wobei der andere Teil (Ralph) noch etwas mit dem „Fässchen“ hadert. Zugegebener Maßen gestaltete sich der Aufbau schwieriger als gedacht, zumal es ja bereits unsere zweite Fasssauna ist und wir somit wussten, auf was es ankommt. Ralph hatte den Bausatz mit völlig überladenem Hänger abgeholt und bereits bei dieser Aktion Blut und Wasser geschwitzt. Wir hatten für den Aufbau ca. 5 Stunden eingeplant, am Ende haben wir nach 5 Stunden alles bis dahin Gebaute wieder abgebaut und von vorne angefangen. Letztendlich waren wir ungefähr 2 Tage beschäftigt und zwischendurch kurz davor, ein großes Feuer draus zu machen. Die Verarbeitung des Holzes war leider nicht so, wie erwartet und wie wir es von der alten Sauna her kannten. Und da denkt man sich, dass die das hier doch können müssten…Naja, lange Rede kurzer Sinn, sie steht, macht es weitestgehend warm (also für mich reichen 80 Grad locker, Ralph muss für knappe 100 Grad dann doch schon ganz schön einheizen) und fügt sich optisch gut in Haus und Grundstück ein…

Da wird´s doch schon beim Zusammenbau ordentlich warm!

Der Schornsteinfeger war leider beim ersten Besuch nicht ganz zufrieden und besteht auf ein paar Ausbesserungen, die ich dank Google Translator auch verstanden habe (Ralph war nicht da und ich habe versucht, den Termin mit ihm auf Schwedisch abzuwickeln – Hiiilfe!) aber die schaffen wir auch noch und bis dahin raucht der Schornstein trotzdem (nicht)!

2) Wir haben uns entschieden, eine Erdwärmeheizung einbauen zu lassen. Bisher müssen wir unser Haus inkl. Wasser per Holzofen erwärmen, was grundsätzlich gut funktioniert und dank eines großen Wassertanks in der Garage auch kein großer Aufwand ist und trotzdem ist man, je nach Außentemperatur, einigermaßen gebunden. Zurzeit müssen wir ca. zweimal am Tag den Ofen anheizen. Auf dem Hof gibt’s eine große Scheune, wo sich das Holzlager befindet und vom Vater des Vorbesitzers unseres Hauses bewirtschaftet wird. D.h. wir haben die komfortable Situation, lediglich zum Lager gehen oder fahren zu müssen und das Holz in den Heizungsraum zu bringen. Defacto ist Ove (so heißt der Mann) aber Mitte 70 und es ist abzusehen, dass er das nicht ewig wird machen können. Wir wiederum sehen uns nicht in der Lage, Holz aus dem Wald zu holen, zuzusägen, zu lagern und zu sortieren bzw. wollen diesen Aufwand in der Form nicht betreiben. So ist der Hintergrund und deswegen kam die Idee mit der Erdwärme. Der Bagger rollte also letzte Woche an und fing an zu graben, um dann festzustellen, dass der Boden im Inneren so felsig ist, dass eine Erdwärmeanlage nicht zu realisieren ist. Man müsste eine Sprengung durchführen und das erscheint uns weder kosten- noch umweltfreundlich…Nun ja, aus Erdwärme wird nun sehr wahrscheinlich Bergwärme* (da wir auf einem Berg wohnen, hätte das von Anfang an vielleicht die Lösung sein können…?!).  Nachdem auch diese dann irgendwann vom Amt hier genehmigt wird, erfolgt eine 200m tiefe Bohrung. Ich als Frau sage dazu: „Mir ist´s egal, Hauptsache, es ist warm“.

*Anmerkung der Redaktion 🙂 : In Schweden differenziert man Berg- und Jordvärme. Während bei der Jordvärme Flächenkollektoren in ca. 80cm Tiefe zum Einsatz kommen, wird bei Bergvärme ein tiefes Loch gebohrt, worin dann die Flüssigkeit zirkuliert und der Erde die Wärme entzieht.

Nach 40cm Tiefe war Schluss – wir leben eben auf einem Felsen!

Wie wir unseren „Wildschweinacker“ hinten je wieder „schön“ bekommen sollen, keine Ahnung. Aber auch dafür findet sich was (Gott sei Dank erst im nächsten Jahr).

3) Gestern waren Ralph und ich im Kino hier im Nachbarort. Dort kommt immer genau ein Film und der auch nur an genau einem Tag. Gestern war es „The green book“ und weil wir den verpasst bzw. nicht auf dem Schirm hatten, als er in Deutschland lief, haben wir hier die Chance genutzt. Wir kamen also hin und waren mehr als überrascht, wie voll es war. Beim letzten Kinobesuch waren wir 6 Leute…Jedenfalls hatten wir schon Sorge, kein Tickets mehr zu bekommen, was aber im Endeffekt unberechtigt war. Es war sogar so, dass wir kostenlos rein durften – da es die letzte Vorstellung des hiesigen Kinovereins für dieses Jahr war. Nicht nur das, jeder Besucher durfte sich am Eingang sogar noch eine Tafel Schokolade (die gute Kex!) nehmen.

Das Beste kam aber am Ende: wir gingen ziemlich zum Schluss raus und hörten es nur im Ausgangsbereich klappern. Ralph und ich zückten ganz selbstverständlich unsere Portemonnaies mit dem Gedanken, eine Spende in einem Topf zu hinterlassen. Vorne angekommen sahen wir dann, dass es nicht um Geld ging sondern um eine Bewertung des Films. Man sollte eine Murmel in ein Glas mit den Zahlen 1 bis 5 werfen, um seine Meinung abzugeben… Diese Bewertung oder Note (auf Schwedisch „Betyg“) ist dann auf der Webseite zu sehen. Ralph und ich haben uns köstlich amüsiert über diesen selbstverständlichen Gedanken, dass einem immer und überall Kohle abgeknöpft wird… 🙂

4) Es ist Vorweihnachtszeit und auf einem Radiosender hier wird seit letztem Freitag 16Uhr ausschließlich(!) Weihnachtsmusik gespielt. Ralph hatte das im letzten Jahr schon entdeckt, als er im Ferienhaus gearbeitet hat und kam schwärmend nach Deutschland zurück. Nun dudelt hier also täglich ein Weihnachtslied nach dem anderen und ich finde es eine großartige Erfindung, dass so ein Radio auch einen Knopf zum Ausschalten hat… 😉

Fairer Weise muss ich aber zugeben, dass es zur richtigen Zeit auch ganz schön ist und vor allem ein Lied bereits unser Familienweihnachtssong ist….

Viel Spass beim Hören und schon mal eine wunderschöne Vorweihnachtszeit!

Claudia, 26.11.19

Ein Kommentar

  • Anke

    1) Ich hoffe, euer Schornsteinfeger hat keinen Zugriff auf diese Seite (wo doch alles so gläsern ist bei euch ;-))
    Claudi, Deinen langen Beinen nach zu urteilen ist dieses „Fässchen“ ein Goliath unter seinesgleichen… Da darf schon mal was schief gehen
    2) Der Unterschied zwischen Erdwärme und Bergwärme ist mir leider noch nicht ganz klar geworden und was zum Geier sind Flächenkollektoren ??? Ich bemühe Google später. Das war nur ne rhetorische Frage 😉
    3) (Kino) kostenlos- das Wort des Jahres 🙂 🙂 🙂
    4) Weihnachtsmusik ist super!
    Drück wieder off on 🙂 :-):-)

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