Die Nummer mit der Nummer, Teil II

Oder auch – wir ziehen um, die Autos auch!

Alles auf Anfang, oder wie sagt man so schön? Wenn man sich also dazu entschließt, umzuziehen, so gilt das auch für die Autos. In Deutschland ja mittlerweile etwas „harmonisiert“ in der Form, dass man die Nummerschilder nicht mehr neu anfertigen lassen muss, wenn man den Zulassungsbezirk wechselt, aber für Schweden gilt das nicht – soweit ist es mit der EU dann eben doch noch nicht! 🙂

Aber, wie geht denn das jetzt eigentlich mit dem Ummelden von Autos? Im Grunde ganz simpel – leider dennoch nicht ganz günstig! Los geht´s:

Man besucht das schwedische Verkehrsamt (Transportstyrelsen), natürlich online, und ersucht um ein sogenanntes „Urpsrungsprotokoll“. Warum? Naja, man „importiert“ das Fahrzeug ja sozusagen. Das Formular muss man also ausfüllen, und zusammen mit dem originalen (!!) Fahrzeugschein sowie Fahrzeugbrief, Kaufnachweis und CoC Kopie nach Örebro senden. Ein eigenartiges Gefühl, die Dokumente einfach so in den Briefkasten zu werfen. Schnell vorher noch eine Kopie gemacht, sonst könnte es unter Umständen bei einer Kontrolle recht „lustig“ werden…! Naja, und man sieht die Papiere ja auch nie mehr wieder.

Sobald man dann circa 60 Euro auf das Konto der Behörde überwiesen hat, wird der Antrag dann auch bearbeitet. Mit der zugewiesenen „Ärendenummer“ oder auch Bearbeitungsnummer kann man dann online nachsehen, wie der Status ist.

Wenn dann alles soweit in Ordnung ist, bekommt man die Freigabe für eine „Registreringsbesiktning“. Das bedeutet nichts anderes, als das man das Fahrzeug bei einer der zahlreichen Abnahmestellen, vergleichbar mit dem deutschen TÜV/Dekra/HU-System, vorstellen darf. Dort prüft dann ein Mitarbeiter das Fahrzeug und natürlich die Chassinummer auf Übereinstimmung, und es wird auch gleich noch eine Art „HU“ gemacht. Eine Art? Naja, der Unterschied ist schon deutlich. Es wird kurz auf die wichtigsten Sicherheitsmerkmale geschaut, es wird eine kurze Probefahrt gemacht, und sodann wird man gleich zur Kasse gebeten. Während dieser kurzen Wartezeit darf man gemütlich Kaffee trinken, kostenfrei natürlich – eine TÜV-Fika sozusagen! 🙂

Wenn man anständig ist und war und das Fahrzeug auch wirklich käuflich erworben hat, winkt nach dem Kaffee dann ein Stück Papier auf welchem einerseits „godkänd“, also „Bestanden“ draufsteht, auf der anderen Seite aber auch – Tata!! – das neue Nummerschild! Achja, nicht zu vergessen natürlich, dass diese schwedische Kaffee-Fika günstige 197 Euro kostete…

Aber was nun? Alles erledigt? Fast!

Die Schweden sind auch hier recht pragmatisch. Nach zwei oder drei Tagen liegt dann im Briefkasten daheim ein Brief mit den neuen Fahrzeugpapieren sowie den Nummernschildern! Dann noch fix eine Versicherung abschließen (ja, das geht mit der berühmt berüchigten Personennummer sofort!), das Fahrzeug in der iPhone oder Android App des Transportstyrelsen einfügen und „in den aktiven Verkehr stellen“! Sehr einfach, sehr schnell und sehr unkompliziert! In dieser App sieht man auch sofort, wieviel Steuern man bezahlen muss, wann der kommende HU Termin fällig ist, und auch sämtliche anderen, wichtigen Daten. Und natürlich kann man das Fahrzeug, wenn es sich z.B. um ein reines Sommerfahrzeug handelt, einfach mit einem Klick wieder außer Betrieb nehmen.

Ansicht der App des Transportstyrelsen

Wer sich jetzt fragt, ob man sich einfach die App runterladen und (m)ein Nummernschild verwenden kann, um damit Schindluder zu treiben, den darf ich enttäuschen! Um das Fahrzeug hinzuzufügen, muss man einen QR-Code senden, der auf dem Fahrzeugbrief aufgedruckt ist – und der ist sicher verwahrt! 😉

Die Nummernschilder (Registreringsskyltar) in Schweden sind immer fahrzeuggebunden – das bedeutet, auch bei einem Verkauf verbleiben die Schilder am Auto. Das macht das Leben insoweit einfacher, als das ständiges neuanfertigen, bezahlen und die Rennerei zu irgendeinem Amt schlicht entfällt. Der Preis für die beiden Schilder liegt übrigens bei recht entspannten 16 Euro, inclusive des Versandes nach Hause.
Man kann übrigens, anders als in DE, aus den Zahlen und Buchstaben des Nummernschildes (meist 3 Buchstaben und 3 Zahlen, seit einiger Zeit aber 3 Buchstaben, 2 Zahlen gefolgt von einem weiteren Buchstaben) keinen Rückschluss auf den Herkunftsort vornehmen. Die Kombinationen sind „zufällig“ und untergliedern sich nicht in „Läns“ (sowas wie Bundesländer) oder Kommunen und Städte.
Gut zu wissen für die Schuppen-Klugscheisser unter uns: die alten Nummernschilder verraten, wann ein Auto zur HU muss. Die letzte Nummer des Schildes verrät den Monatszeitraum! Geht aber nur noch bei den alten Schildern, da die neuen ja bekanntermaßen einen Buchstaben am Ende haben!

Wer mit den zugewiesenen Schildern nicht glücklich ist, der darf sich auch eigene drucken lassen. Da darf dann zum Beispiel etwas wie „Superheld“ oder „KLFlitzer“ 😉 oder was auch immer draufstehen. Dabei verbleiben die originalen Schilder im Auto und müssen beim Verkauf wieder montiert werden! Achja, nicht zu vergessen, dass dieser kleine Spass circa 600 Euro (6200 SEK und gelten auch „nur“ 10 Jahre) kostet. Eigentlich sind die Standardschilder doch auch ganz hübsch, oder?

Und dann? Klar, nicht vergessen die neuen Nummernschilder zu montieren und sicherheitshalber in DE nochmal Bescheid zu sagen, dass es nun hier in Schweden zugelassen ist! Sollte zwar alles elektronisch zwischen den Ländern funktionieren, aber Computer sind ja auch nur Menschen.

Tata! Lange hat´s gedauert, nun schmücken die neuen Schilder das Auto. Ok, eine Wäsche wäre auch mal wieder notwendig… es ist halt Herbst!

Nun noch etwas zum Thema Datenschutz.. ihr habt Euch bestimmt schon gefragt, warum ich hier so offen mit den Kennzeichen umgehe! Keine Sorge, das ist eben auch ein wenig anders als in good old Germany! Nehmt ein beliebiges, schwedisches Nummerschild und schaut mal beim Transportstyrelsen vorbei! Bis auf den Eigentümer sowie Wohnort (bei Privatpersonen) ist dort so ziemlich alles einzusehen, was das Fahrzeug angeht. Auf bestimmten anderen Seiten (Google ist your friend 🙂 ) kann man dann aber auch noch den Eigentümer einsehen. Tja, was soll man sagen? Andere Länder, andere Sitten!

Fehlt noch etwas? Achja, richtig, ich vergas – die alten, deutschen Nummernschilder sollte man zu den anderen, circa 20 alten Nummernschildern als Verzierung an die Garagenwand schrauben! 🙂

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