Die Nummer mit der Nummer und die lieben Elche!

Es ist viel passiert und an der Zeit, mal wieder ein paar Eindrücke mit euch zu teilen. Wir haben unseren ersten Besuch empfangen und herrliche sieben Tage miteinander verbracht. Wir waren sehr gespannt, wie unsere Freunde unser neues Zuhause wahrnehmen und auch wenn ich bei der Ankunft nicht dabei sein und die erste Reaktion live erleben konnte, haben sie sich doch recht wohl gefühlt, wie ich glaube. Es war so schön, vertraute Gesichter zu sehen und einfach drauf los plappern zu können, in einer Sprache, mit der man sich sicher fühlt und nicht jeden Satz vorher dreimal überlegt, bevor man den Mund aufmacht. Wir haben zusammen die Gegend erkundet, waren Moutainbiken, auf der Sommerrodelbahn (für Aktivurlauber sehr zu empfehlen: www.isaberg.se), im Elchpark in Ljungby, lecker essen (ja, kann man hier tatsächlich auch, auch wenn die Auswahl seeeehr begrenzt ist) und einfach happy, zusammen Zeit verbringen zu können.

Isaberg – Sommerrodelbahn mit Blick ins Tal

An der Stelle danke, dass ihr den Weg auf euch genommen habt, liebe Brauers und auch für den vollen Kofferraum mit vielen deutschen, liebgewonnenen Leckereien :-)! Es sei erwähnt, dass es hier in Schweden viele und gute Lebensmittelgeschäfte gibt, die 7 Tage die Woche von sehr früh bis sehr spät aufhaben – eine Tatsache, die wir mit großer Dankbarkeit annehmen und auch nutzen.  Allerdings gibt es doch ein paar kulinarische (und preisliche) Unterschiede zu den deutschen Gewohnheiten und auf manche möchten wir bisher noch nicht verzichten. So z.B. gibt es keine Kirschen im Glas (Ralph verdreht jetzt ganz sicher die Augen), die ich hin und wieder gerne für einen Kuchen verwende…Man findet hier ausschließlich schwarzen oder grünen Tee und absolut gar kein Malzbier (für Till) und ganz besonders schwierig wird es, wenn man mal ein schönes Grillerchen machen will. Die Wurst hier ist zum Abgewöhnen und entsprechend groß die Freude über eine gute deutsche Bratwurst ;-). Dass das Brot hier fast nur weiß und weich ist, will ich nicht überbewerten. Als Deutscher ist man diesbezüglich doch ziemlich verwöhnt. Ein Ansporn, selber mal die Bäckerschütze umzubinden…

Ähnlich verrückt wie in Good Old Germany geht es hier zu, wenn man Papierkram erledigen muss. Ein kleines Beispiel, damit man versteht, was ich meine. Was man hier für alles, aber wirklich für alles braucht, ist die sog. Personennummer.  Man ist quasi ein Nichts in Schweden ohne diese und kann weder eine schwedische Telefonnummer beantragen, noch sich für online Banking freischalten lassen, Auto ummelden, Sprachkurs belegen etc. Ralph hat uns also im Juni bereits angemeldet und wir waren voller Erwartung, endlich diese Nummer zu bekommen. Eines Tages war ein entsprechender Umschlag im Briefkasten und wir schon am Ziel unserer Träume. Leider war lediglich Ralphs Personennummer drin… Auf Nachfrage erfuhren wir, dass da wohl etwas schiefgelaufen ist und wir erneut vorsprechen müssen. Ralph und ich also wieder zum Amt, die ausgefüllten Formulare dabei, alle Pässe usw. Wo denn die Kinder seien, wurden wir gefragt. Na in der Schule, unsere Antwort. Hm, nee, die müssten mit dabei sein. Ich also wieder mit den Kindern zum Amt. Ob ich denn den Arbeitsvertrag meines Mannes dabei hätte…Hm, nee, der musste den ja bereits bei seiner Anmeldung vorlegen und hat ja schließlich auch schon eine Personennummer. Wir also wieder los, Arbeitsvertrag geholt. Die Dame kannte uns inzwischen schon und winkte uns gleich ran. Ich fühlte mich schon recht siegessicher, hatte aber nicht damit gerechnet, dass Mias leiblicher Vater eine Einverständniserklärung abgeben muss, dass sie hier mit uns leben darf. So sind wir erneut unverrichteter Dinge los. Inzwischen haben wir alles vorgelegt und befinden uns nun wieder in der Phase des Wartens auf diese heilige Nummer. Dank Ralph haben wir unterdessen schon mal ein schwedisches Autokennzeichen und eine TV – Box, es läuft also… 🙂

Wer sagt denn, dass eine Schüssel nur Eutelsat empfangen kann? Schwups, schon haben wir auch deutsches Fernsehen! 🙂

In der Schule bei den Kindern läuft es auch, das Meiste digital. Beide haben ein iPad bekommen, mit dem sie (und wir) den überwiegenden Teil des Schulalltags bestreiten. Hausaufgaben müssen damit erledigt werden, Stundenpläne, Termine für Elternversammlungen, Krankmeldungen der Kinder, alles läuft über dieses Gerät.

Als Eltern bekommt man seinen eigenen Zugang, über den man sich über Noten (in Schweden gibt es Buchstaben statt Zahlen, also A für 1 usw.), Zuspätkommen und was auch immer informiert. Sehr praktisch, wie ich finde und v.a. zettellos… Witzig ist, dass wir uns bisher nicht dafür anmelden konnten und das trotz Ralphs Personennummer. Wie kann das sein?? Man braucht dafür eine sog. Bank ID, die man beantragen kann, wenn man eine Personennummer UND eine ID – Kort  hat. Die ID – Kort (sowas wie ein nationaler Personalausweis in DE) muss man persönlich im eine Stunde entfernten Jönköping beantragen um sie dann später persönlich im 40 min. entfernten Värnamo abzuholen. DANN kann man zur Bank und endlich die Bank ID beantragen. Ich hoffe, wir schaffen das alles noch, bevor die Kinder mit der Schule fertig sind…

Also, auch in anderen Ländern kann man über einige Angelegenheiten nur den Kopf schütteln.

Ein anderes, zur Zeit hier ganz großes, Thema ist die Elchjagd. Diese hat letzte Woche begonnen und wird zum Teil wirklich exzessiv betrieben. Ein Teil unseres Grundstücks ist sogar Jagdgebiet (nur von uns nutzbar, sofern wir das wollten) und man sieht fast täglich mit Westen und Gewehren ausgestattete Menschen hier rumrennen. Als wir am vergangenen Donnerstag auf dem Weg in den Elchpark waren, sahen wir unweit unseres Hauses eine Gruppe Jäger auf einem Feld stehen und vor ihnen lag ein erschossenes Tier. Sie waren offensichtlich ziemlich zufrieden mit sich und winkten uns zu unter dem Motto, haltet an und guckt euch dieses Prachtexemplar aus der Nähe an. Nee danke. Mir ist klar, dass es nichts anderes ist als in Deutschland die Wildschwein- oder Rotwildjagd, aber auch da möchte ich nicht dabei sein.

So sind uns die „kleinen“ Freunde schon lieber – in freier Wildbahn macht sich hier eine Elchfamilie an den Apfelbäumen unseres Ferienhausgartens zu schaffen!

Und so ein Elch ist tatsächliches ein stattliches Tier, ich mag mir nicht vorstellen, wie der umfällt. Ich weiß, dass es hier zum Leben dazu gehört und dass man Tiere töten muss, wenn man sie essen will. Sie tun mir trotzdem leid. Ein schwieriges Thema und wir waren froh, dass wir später ein paar lebende Tiere sehen und sogar füttern und anfassen konnten. Wer mal in der Nähe von Ljungby ist, der Elchpark ist zwar klein, lohnt sich aber auf Grund der Nähe zu den Tieren und schon alleine wegen des tollen Shops! www.elchpark.eu

Claudia, 23.10.19

2 Kommentare

  • Anke

    Danke, meine liebe Claudi, dass du wegen mir (und meiner Geburtstagsüberraschungsparty) auf die Besuchergesichter verzichtet hast
    Ich war sooooooo glücklich, dass du für diesen Moment in Deutschland warst

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