Licht und Schatten

Unser erstes Weihnachtsfest in Schweden rückt immer näher und nicht nur, weil es schon zwei Schneetage gab, ist die Vorfreude darauf dieses Jahr besonders groß. Wettertechnisch ist es bisher hier tatsächlich echt unterirdisch und Ralph sagte letztens schon, dass er bald wieder umzieht, wenn das die nächsten Jahre so bleibt… (hä??).

Ich fand die allseits beliebte Meckerei übers Wetter schon immer blöd, von daher gehe ich nicht weiter darauf ein, wobei, es ist seit Wochen schon extrem schlecht 😉

Die Schweden selbst scheinen das auch so zu sehen, es ist aber kein großes Thema. Ich denke, dass sie hier erstens Kummer gewohnt sind hinsichtlich dieses Themas, zum anderen gibt es da ja noch das Luciafest, welches jedes Jahr am 13. Dezember gefeiert wird und für – im wahrsten Sinne – Erleuchtung sorgt. Das  Luciafest (oder auch Lichterfest) ist in Schweden der Mittsommer im Winter. Jeder Schwede zelebriert diesen Tag und man muss wertfrei sagen, dass diese Tradition etwas Wunderschönes hat (*wen´s interessiert, einen kurzen Hintergrund zur Entstehung des Luciafestes gibt’s am Ende).  Hauptperson ist ein junges Mädchen (die „Lichtkönigin“ Lucia), die im Vorfeld gewählt wird (das geschieht in den Gemeinden auf unterschiedliche Weise, z.B. durch Abstimmungen in Zeitungen). Sie trägt ein langes weißes Kleid mit rotem Gürtel und eine Lichtkrone auf dem Kopf.  Jede Menge weitere Mädchen gehören dem Festzug an, welche ebenfalls weiße Kleider tragen und Kerzen in den Händen halten. Es gibt außerdem die Sternknaben („stjärngossar“) und die Wichtel („tomtar“), die zum Gefolge gehören.

Angeführt von Lucia läuft der Festzug in die Kirche ein und singt dabei das Lucialied.   Und auch, wenn man kein Kirchgänger ist (so wie wir), ist diese Atmosphäre unbeschreiblich! Es werden Weihnachtslieder gesungen und am Ende zieht der Festzug wieder mit dem Lucialied aus der Kirche aus. Diese Veranstaltungen finden unter anderem auch in den Schulen statt und es ist wirklich bemerkenswert, wie wichtig die (insbesondere auch junge) Menschen hier dieses Fest nehmen. Die Schüler kommen schick angezogen zum Unterricht und es gibt niemanden, der sich blöd vorkommt beim Singen oder Verkleiden… Wir waren dieses Jahr in keiner Kirche am Luciatag sondern besuchten Till´s Chor, der ein Luciasingen in der Musikschule veranstaltete.

Bekanntes Lied, bekannter Jultomte! 🙂

Es war alles viel kleiner und weniger pompös aber trotzdem zum Dahinschmelzen.  Wir haben diesen Tag jetzt schon ins Herz geschlossen und freuen uns auf den nächsten 13. Dezember.

Traditionell wird zu dieser Zeit übrigens ein spezielles Gebäck gegessen, das es auch nur jetzt zu kaufen gibt: „Lussekatter“ (Luciakatzen) sind hier so beliebt wie bei den Deutschen Zimtsterne oder Christstollen. Sie sind ein einfaches Hefegebäck, welches in S- oder Kreuzform gebacken wird. Die auffallend gelbe Farbe bekommen Lussekatter durch die Zugabe von Safran. Ich muss gestehen, dass ich nicht der große Freund dieser Teile bin (dann doch lieber Kanelbulle oder „Annas Pepperkakor“ 🙂 ), vielleicht hat aber ja mal jemand Lust, welche auszuprobieren? Ein Rezept findet ihr genau hier: Claudi´s Lussekatter. Wir sind gespannt auf eure Meinungen!!

*Lucia von Syrakus ist der Legende nach Tochter eines reichen römischen Bürgers war. Ihr Vater starb früh und die Mutter wollte Lucia schnellstmöglich verheiraten. Diese weigerte sich, wollte Nonne werden und ließ sich heimlich taufen. Es herrschte große Armut zu dieser Zeit und Lucia versorgte die Armen der Stadt in den Katakomben mit Lebensmitteln. Um möglichst viele Lebensmittel in die dunklen Katakomben bringen zu können, setzte sie sich einen Kranz mit Kerzen auf den Kopf. Somit hatte sie beide Hände frei. Als Lucias Verlobter von ihren Plänen, Nonne zu werden, erfuhr, zeigte er sie an. Der Richter Paschasius entschied, sie in ein Bordell schaffen zu lassen, doch laut Sage konnte ein Ochsengespann und tausend Männer sie nicht von der Stelle bewegen. Daraufhin wurde Lucia mit einem Schwertstich getötet. 


Soviel zum Thema Licht. Die letzte Woche hatte hier definitiv auch eine schattige Seite (und damit meine ich an dieser Stelle nicht das Wetter), die nicht unerwähnt bleiben soll, auch wenn es viele nicht allzu sehr tangiert.  

Am vergangenen Montag ist eine weltweit und vor allem hier sehr beliebte Sängerin gestorben und diese Tatsache hat viele Menschen traurig gestimmt. Marie Fredriksson von Roxette hat ihren 17 Jahre langen Kampf gegen den Krebs verloren und wurde nur 61 Jahre alt.

Ralph und mich hat diese Nachricht ziemlich getroffen. Vor allem, weil der letzte Eintrag von Musik handelte und unsere Generation doch irgendwie mit den Songs von Roxette groß geworden ist und damit viele Erinnerungen verbindet…

Ihre Biografie, welche sie 2015 veröffentlichte, trägt übrigens den Namen „Kärleken till livet“. Übersetzt: „Die Liebe zum Leben“. Wie passend – und traurig.

Ein wunderschönes Lied von ihr könnt ihr hier hören:

Vila i frid, Marie!!

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